Ein imaginäres Referat von Markus, 12 Jahre


Thema: Ein Sonntag bei mir daheim


Gestern war Sonntag, was mich insofern beruhigt hat, weils der Tag nach dem Samstag war… Weil wärs Dienstag gewesen und nicht Sonntag, hätt irgendwas nicht gestimmt.


Gleich nach dem Aufstehen hab ich mir auf Super RTL die Lonestaradventures angeschaut, eine Zeichentrickserie in der außerirdische Aliens (das klingt ein bissl wie tote Leichen) auf die Erde kommen, die gerade von einer Zombieepidemie befallen ist. Wo die Zombies den Aliens die Gehirne raussaugen und die Herzen aus der Brust reißen und dann essen. Mir hat voll gegraust und ich hab ur Angst bekommen und mich unter der Decke versteckt. Darum hab ich umgedreht auf ORF 1. Dort hats Tom Turbo gespielt mit dem Thomas Brezina … Nach 2 Minuten hab ich wieder auf Super RTL geschalten.


Als meine Eltern um 11 Uhr aufgestanden sind, hats lecker Frühstück gegeben: Choco Pops mit Kakao, Vanilledonuts und Erdbeermuffins. Aber auch was Süßes. Wenn bei uns ein Diabetiker frühstücken würd, tät ihm nach 5 Minuten eine Hand abfallen.


Beim Frühstück haben meine Eltern über die Wahl gesprochen. Es war ja Wahlsonntag. Mein Papa hat gesagt, dass er sicher nicht die Grünen wählen wird, weil er nicht will, dass aus der Wagramerstraße eine Begegnungszone wird. Ich hab glaubt, dass die eh schon lange eine ist, weil mein Papa unlängst einem Radfahrer mit dem Auto ziemlich heftig begegnet ist… Ironischerweise direkt vorm Haus der Begegnung… Da hab ich sehr lachen müssen.


Die Mama hat gesagt, dass sie am Wahlzettel ihre Telefonnummer schreiben wird, weil vielleicht ruft sie ja der Matthias Strolz von den Neos an. Der is nämlich, O-Ton Mama: Eine geile Schnitte. Na ob der wirklich anruft? Wobei ich hab einmal ein Foto gesehen, wo er innig einen Baum umarmt hat…. Also allein vom Umfang wär die Mama genau dem Strolz sein Beuteschema.


Später sind wir dann in meine Schule wählen gegangen. Mir hat das voll getaugt, meine Schule ganz ohne Lehrer. Vor der Türe ist der Oberboss von der Schule gestanden - der Schulwart. Er hat jedem, der reingegangen is, gesagt: „Wir sind eine Patschenschule! Wir sind eine Patschenschule“…Und alle, die keine Patschen mitgehabt haben, hat er wieder zausgschickt… Die Wahlbeteiligung in unserem Sprengel war bei 0,2 Prozent. 
Aber wir haben Patschen mitghabt. 
Vor uns in der Schlange sind zwei ältere Damen gestanden und die eine hat gesagt: „Unterm Vraniditizky, oder so ähnlich, war alles besser, weil der war ur fesch.“ Drauf hat die andere gemeint, dass der jetzige Bundeskanzler aber auch voll schön is. Von ihm würde sie sich schon gern mal eine Pizza liefern lassen, weil das macht er ab und zu ja.
Ich hab mir eh gedacht, dass man als Bundeskanzler genug Zeit für einen Nebenjob hat. Genauso wie als Lehrer.
Eine andere wieder hat sich umgedreht und gesagt: „Aber gegen den HC sind die alle nix.“ Den HC würde sie nicht von der Bettkante stoßen. Wer oder was ein HC ist weiß ich leider nicht. Ich vermute, es ist die Abkürzung für HausClown!


Nach der Wahl sind wir dann mit Freunden ins Wirtshaus gefahren. Der Papa und ich haben ein Schnitzel gegessen. Den Salat hat der Papa gleich zrückgschickt, weil Grün vertragt er gar nicht….außer bei Rapid Wien. Die Mama hat was Vegetarisches gegessen, weil sie grad auf Diät ist: Gebackener Emmentaler mit Sauce Trara… und als Nachspeise einen Rehrücken, aber ohne Fleisch, weil sie is ja Vegetarierin. 
Am Tisch wurde herumdiskutiert, warum der eine junge Kandidat, obwohl er mit der Türkei ständig herumstreitet, seine Parteienbewegungsdingsbumsirgendwas ausgerechnet TÜRKis eingefärbt hat. Aber die Frauen hatten alle Herzerl in den Augen. Tja, wie die Ohren eines Mannes…oder wars doch die Nase?


Um 18 Uhr haben wir uns dann die ersten Hochrechnungen angeschaut, dann haben sie die Politiker interviewt. Nachdem der fünfte, wie schon die vorigen vier Kasperln auf die Frage vom Reporter, wie er sich denn das Wahlergebnis erkläre, geantwortet hat mit: „Gestatten Sie mir bitte, dass ich mich zuerst noch bei den Wählerinnen und Wählern bedanke, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben“, ist die Ottakringerdose von meinem Papa ungespitzt in den neuen 65 Zoll Flatscreen geflogen. Jetzt ist er nicht mehr Full HD sondern Full HINNIG.


Was ich so mitgekriegt hab, haben alle Parteien verloren, aber alle habens geredet, wie wenn sie die großen Sieger wären. Ich muss sagen, da war ich schon verwirrter als ein Chamäleon in einer Packung Smarties. Das is so wie wenn sie einen Fußballer interviewen, nachdem seine Mannschaft 8:0 verloren hat, und er sagt, dass sie die Besseren waren, weil sie einmal fast auf die Stange geschossen haben.


Um 9 bin ich dann ins Bett gegangen und hab mir auf Pro 7 noch eine Folge Walking Dead reingezogen. Ich hab mir gedacht, nach den ganzen Politikern brauch ich zum Einschlafen noch was Chilliges.


Ich hoffe, euch hat mein Referat gefallen. Ah ja, dazwischen hab ich gestern auch noch für die heutige Französischwiederholung gelernt. Ich bin nämlich total schlecht in Französisch. Egal, ich will eh nie nach Barcelona. Tschausn.

© 2017 by Hauptmann